Gedenktag 27. Januar: Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus

Das Lebensrecht von Menschen mit Beeinträchtigung ist unantastbar. Foto: Fabian Birke

Menschen mit (geistiger) Behinderung und psychischer Erkrankung wurden ab 1940 in der Zeit des Nationalsozialismus systematisch getötet und die Gesamtzahl der sogenannten „Euthanasie“-Opfer wird auf mindestens 250000 Menschen geschätzt. Auch die Psychiatrie in Erlangen war hier auf verschiedenen Ebenen involviert.
Daran erinnert die Lebenshilfe Erlangen zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. Dieses Erinnern sei wichtiger denn je, da aktuelle politische Entwicklungen Grund zur Sorge sind. „Rassistische und menschenverachtende Ideologien bedeuten eine Gefahr für Menschen mit Beeinträchtigung, vor allem auch mit geistiger Behinderung“, sagt Frank Morell, Vorstandsvorsitzender.
Auch wenn es grundsätzlich in Erlangen und dem Landkreis eine große Offenheit gegenüber Menschen mit Beeinträchtigung gibt, erlebt die Lebenshilfe immer noch und immer wieder Ablehnung. „Ich empfinde das so. Wenn wir mit unseren Bewohnern spazieren gehen, gibt es wieder häufiger komische Blicke, Augenrollen und Unverständnis“, so Lebenshilfe-Mitarbeiter Manuel Baum. Petra Reichert bestätigt das: „Ich werde manchmal komisch angeguckt und ausgelacht, weil ich so bin“.
Die Lebenshilfe ist froh, dass die Impfstrategie in Deutschland ein eindeutiges Zeichen setzt. Menschen mit einem höheren Unterstützungsbedarf, alte Menschen, Personen mit Vorerkrankungen und mit Beeinträchtigung stehen im Vordergrund. Dieser gesellschaftliche Konsens ist ein Ergebnis der letzten Jahrzehnte. Ist es doch erst 75 Jahre her, dass Schwächere nicht geschützt, sondern aussortiert wurden.
Es gilt wachsam zu bleiben und gemeinsam zu verhindern, dass es je wieder Bestrebungen gibt, Menschen auszusortieren oder für unwert zu erklären.