Neues Buch von Doro May

Ausschnitt Buchcover. © Doro May

Doro May erzählt in ihrem neuen Buch „Alles außer planmäßig“ über das Leben ihrer Tochter. Die Mutter sagt: „Das Leben mit dir bleibt ein Abenteuer! Ich möchte es nicht missen.“ Tina kam vor 30 Jahren mit dem Down-Syndrom und einer Autismus-Spektrum-Störung auf die Welt. In 26 Kapiteln erzählt Doro May unterhaltsame, ganz unterschiedliche Geschichten.
Sie berichtet zum Beispiel von Tinas 30. Geburtstag in einem Café mit all ihren Freunden, der Wohnheimleitung und natürlich ihrer Familie. Oder wir erfahren von einem spektakulären Zahnarztbesuch. Auch lernen die Leser*innen Tinas Beziehung zu ihrem „Wohnheimbruder“ kennen.
Doro May schrieb bereits zwei Bücher über ihre Tochter: „Meine besondere Tochter – Liebe zu einem Kind mit Behinderung“ und „Das Leben ist schön, von einfach war nicht die Rede – Meine besondere Tochter ist erwachsen“. Die Autorin dachte es sei alles erzählt: „Ein gewaltiger Irrtum – denn es gibt reichlich Zündstoff und Erlebnisse, neue Erfahrungen und Begegnungen“. So entstand das dritte Buch.
Das Buch umfasst 157 Seiten und kostet 16,90 Euro. Es kann Auf der Website des Verlages unter https://www.neufeld-verlag.de/shop/alles-ausser-planmaessig/ oder im Buchhandel unter der ISBN: 978-3-86256-167-4 erworben werden.

Petition gegen Entwurf zur neuen Pflegereform unterzeichnen

Familien wären besonders von der Pflegereform im jetzigen Entwurf benachteiligt. Foto: Lebenshilfe/David Maurer

Das Bundesgesundheitsministerium plant für 2021 eine Pflegereform. Der bekannt gewordene Entwurf von Jens Spahn stößt bei Fachverbänden und Familien auf große Verärgerung. Vorgesehen ist darin, dass ein Teil der sogenannten Verhinderungspflege künftig nicht mehr für die stundenweise Betreuung zur Verfügung steht, sondern der stationären Betreuung bei längerer Verhinderung der Pflegeperson vorbehalten bleibt. Maximal 40% des Gesamtjahresbetrags sollen nur noch für die stundenweise Betreuung zur Verfügung stehen und damit z.B. auch für unseren Familienentlastenden Dienst.
Gerade für Familien mit einem behinderten Kind ist dies eine immense Verschlechterung. Für sie ist es von besonderer Bedeutung, Verhinderungspflege stundenweise in Anspruch nehmen zu können. Hierdurch kann regelmäßige oder kurzfristige Ersatzbetreuung im Pflege- und Familienalltag realisiert werden. Außerdem ist dies für viele Familien die einzige Möglichkeit, überhaupt Verhinderungspflege geltend zu machen, da es insbesondere für Kinder, aber auch für Erwachsene mit hohem Unterstützungsbedarf nicht genügend stationäre Ersatzpflegeangebote gibt.
An vielen Stellen macht sich inzwischen Protest gegen diese Pläne breit und es gibt nun unter www.openpetition.de/!pflegereform eine Petition mit dem Titel „Keine Einschränkung der Flexibilität von Verhinderungspflege durch die Pflegereform 2021“. Es wäre gut, wenn viele diese Petition unterstützen würden.

Frühjahrsputz im Inklusiven Waldkindergarten

Das alte Ästehaus wird mit einem gründlichen Frühjahrsputz aus dem Winterschlaf geweckt.

Der Winter hat so manchen Spielort im Wald verändert. Die Wurzelkinder des Inklusiven Waldkindergartens Eckenhaid suchten bekannte sowie neue Plätze auf und nutzen die aufkeimende Frühlingsenergie, um vieles wieder auf Vordermann zu bringen. Nebenher kann auch mal hoch hinaus geklettert werden. Das Zusammensein in der Natur und warme Sonnenstrahlen tun allen richtig gut.

Mehr als 400 Verbände unterzeichnen Erklärung: Lebenshilfe ist dabei

Zum Auftakt des Wahljahres zeigen mehr als 400 Verbände, Initiativen und Einrichtungen aus dem Bereich der Behindertenhilfe und der Sozialen Psychiatrie klare Haltung gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Sie warnen vor Hetze und Stimmungsmache rechter Akteur*innen wie der AfD und ähnlicher Bewegungen. So haben sie eine bundesweite gemeinsame Erklärung für Menschlichkeit und Vielfalt verabschiedet. Auch die Lebenshilfe Erlangen mit den Regnitz-Werkstätten gehört zu den Unterzeichnerinnen. Mit Sorge beobachten die Organisationen, darunter auch Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, wie versucht wird, eine Stimmung zu erzeugen, die Hass und Gewalt schürt. Und das nicht nur gegen Menschen mit Behinderung, psychischer oder physischer Krankheit schürt, sondern gegen alle, die sich für eine offene und vielfältige Gesellschaft engagieren.
„Wir treten ein für Menschlichkeit und Vielfalt … Wir lassen nicht zu, dass in Deutschland eine Stimmung erzeugt wird, die unsere Gesellschaft spaltet“, heißt es in der Erklärung. Ziel der Unterzeichnenden ist es, im Superwahljahr ein Zeichen für Demokratie zu setzen. Sie betonen, es komme auf jede Stimme an und fordern auf, zur Wahl zu gehen.
Der gesamte Erklärungstext und die Liste der Mitzeichnungen sind online unter www.wir-fmv.org abrufbar.

Lebenshilfe bildet auch aus: Ich habe das Richtige für mich gefunden

Sina Barth macht gerade ihr Zweites Sozialpädagogisches Jahr und möchte Erzieherin werden.

Sina Barth macht gerade ihr Zweites Sozialpädagogisches Seminar (SPS 2). Das umfasst die Praxis im Inklusiven Kindergarten Büchenbach und alle zwei Wochen drei Tage Schule an der Fachakademie Diakoneo.
Die heute 19-jährige hat nach der Waldorfschule zunächst die Wirtschaftsschule besucht und dann halbherzig eine Ausbildung zur Industriekauffrau begonnen. „Das war nichts für mich und ich habe abgebrochen. Ich wusste zwar noch nicht richtig, wie es weitergehen soll, aber ich mag schon immer kleine Kinder.“
So entschied sie sich zunächst für ein dreimonatiges bezahltes Praktikum in einer Kinderkrippe und dort hat sie gleich im Anschluss ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert. Danach war ihr klar: „Ich habe das Richtige für mich gefunden“.
Das FSJ wurde ihr als SPS1 anerkannt, mit dem Ende des SPS2 im Sommer dieses Jahres ist sie Kinderpflegerin. Danach folgen drei Jahre bis zum Abschluss Erzieherin. Wenn die Schulnoten stimmen, hat man damit auch das Fachabitur in der Tasche.
Die Arbeit im Inklusiven Lebenshilfe-Kindergarten Büchenbach gefällt ihr sehr gut: „Ist nochmal ein neuer Bereich. Manche der Kinder mit Behinderung brauchen mehr Aufmerksamkeit, da muss man aufpassen, dass die anderen nicht zu kurz kommen. Wir sind aber personell gut aufgestellt.“ Sina Barth fühlt sich wohl im Team und „mit meiner Chefin habe ich großes Glück“. Christine Mattke achte darauf, dass ich voll in der Gruppe integriert bin und nicht etwa die Küche- oder Wäsche-Praktikantin bin.
Die Arbeit mit den Kindern erfüllt Sina Barth und „das Wichtigste für mich ist, dass die Kinder sich bei und mit mir wohlfühlen. Und sie sollen etwas von mir lernen, im sozialen und im pädagogischen Bereich.“  
Die Lebenshilfe bildet auch in der Heilerziehungspflege aus und bietet Plätze für das Duale Studium Soziale Arbeit.

In den Regnitz-Werkstätten waren die Hasen los

Die Teams der Lebensmittelkonfektionierung, der Seniorengruppe und der Küche haben für einen fränkischen Biobetrieb Naschereien für Ostern gesichert. In Teamarbeit wurden insgesamt 26.600 kleine und 12.600 große Osternester/Tüten rechtzeitig fertiggestellt.

Gedenktag 27. Januar: Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus

Das Lebensrecht von Menschen mit Beeinträchtigung ist unantastbar. Foto: Fabian Birke

Menschen mit (geistiger) Behinderung und psychischer Erkrankung wurden ab 1940 in der Zeit des Nationalsozialismus systematisch getötet und die Gesamtzahl der sogenannten „Euthanasie“-Opfer wird auf mindestens 250000 Menschen geschätzt. Auch die Psychiatrie in Erlangen war hier auf verschiedenen Ebenen involviert.
Daran erinnert die Lebenshilfe Erlangen zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. Dieses Erinnern sei wichtiger denn je, da aktuelle politische Entwicklungen Grund zur Sorge sind. „Rassistische und menschenverachtende Ideologien bedeuten eine Gefahr für Menschen mit Beeinträchtigung, vor allem auch mit geistiger Behinderung“, sagt Frank Morell, Vorstandsvorsitzender.
Auch wenn es grundsätzlich in Erlangen und dem Landkreis eine große Offenheit gegenüber Menschen mit Beeinträchtigung gibt, erlebt die Lebenshilfe immer noch und immer wieder Ablehnung. „Ich empfinde das so. Wenn wir mit unseren Bewohnern spazieren gehen, gibt es wieder häufiger komische Blicke, Augenrollen und Unverständnis“, so Lebenshilfe-Mitarbeiter Manuel Baum. Petra Reichert bestätigt das: „Ich werde manchmal komisch angeguckt und ausgelacht, weil ich so bin“.
Die Lebenshilfe ist froh, dass die Impfstrategie in Deutschland ein eindeutiges Zeichen setzt. Menschen mit einem höheren Unterstützungsbedarf, alte Menschen, Personen mit Vorerkrankungen und mit Beeinträchtigung stehen im Vordergrund. Dieser gesellschaftliche Konsens ist ein Ergebnis der letzten Jahrzehnte. Ist es doch erst 75 Jahre her, dass Schwächere nicht geschützt, sondern aussortiert wurden.
Es gilt wachsam zu bleiben und gemeinsam zu verhindern, dass es je wieder Bestrebungen gibt, Menschen auszusortieren oder für unwert zu erklären.

Berufliche Perspektiven für Menschen mit Beeinträchtigung

Im Sommer stand der „Grüne Bereich“ auf dem Lehrplan und dazu gehörte der Besuch von besonderen Gartenanlagen.

Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigung entwickeln immer wieder neue Ideen für Bil-dung und berufliche Qualifizierung. So haben zehn Lebenshilfe-Werkstätten aus Mittelfranken, Oberfranken sowie der Oberpfalz, darunter die Regnitz-Werkstätten, gemeinsam das „Zentrum für berufliche Bildung und Arbeit“ (zbba) in Nürnberg gegründet. Es richtet sich an Personen, die auch außerhalb einer Werkstatt einer Arbeit nachgehen möchten oder sich für ein bestimmtes Berufsfeld (weiter-)qualifizieren wollen.
Nun blickt das zbba auf ein erfolgreiches erstes Jahr zurück. Im Januar 2020 starteten zehn Teilnehmende aus den unterschiedlichen Partnerwerkstätten. Das erste Berufsfeld „Betreuung“ beschäftigte die Gruppe knapp drei Monate lang. Trotz des Lockdowns konnten Bil-dungspakete erarbeitet werden.
Mitte Mai ging es wieder vor Ort los und bis zur Sommerschließung im August stand der „Grüne Bereich“ auf dem Lehrplan. Exkursionen zum Thema Natur- und Umweltschutz wie der Besuch besonderer Gartenanlagen und Gärtnereien standen auf dem Programm. Darauf folgte das Kennenlernen unterschiedlicher Berufsbilder in der Gastronomie. Auch für eine zweite Gruppe mit sechs Personen, die im September dazu kam.
Gerade die Kooperation der Werkstätten macht das zbba so erfolgreich: Die Teilnehmenden können Praktika in den anderen Werkstätten absolvieren, sollte es ein Berufsfeld geben, das in der eigenen Werkstatt nicht abgebildet ist, oder wenn sich kein externer Praktikumsplatz finden lässt.
Die Außenpraktika nehmen aber einen wichtigen Stellenwert in der Arbeitserprobung ein. Sie bilden den Kontakt zum Allgemeinen Arbeitsmarkt und eröffnen die Perspektive, später in ein Arbeitsverhältnis übernommen zu werden.
Eine zweite „Säule“ des zbba bilden Zertifikatslehrgänge, konzipiert von „integra Mensch“ in Bamberg. Sie sind von der IHK, HWK und den Fachschulen anerkannt. Fünf Teilnehmende haben im März 2020 den Kurs „Assistent*in für die Kindertagesstätte“ belegt. Für Anfang dieses Jahres sind drei weitere Kurse geplant (unter anderem im Lagerbereich).

Gleichberechtigt am Unterricht teilnehmen

Schulbegleitung ermöglicht echte Teilhabe.

Es ist 8 Uhr, der Unterricht in der Georg-Zahn-Schule hat begonnen. In der Klasse von Claudia Meister geht es gerade um die Wochentage: Welcher Tag ist heute, wie lautet das Datum, welcher Tag war gestern…? Um gleichberechtigt am Unterricht teilnehmen zu können, haben einige Kinder in ihrer Klasse eine Schul- und Individualbegleiterin an ihrer Seite. Zum Beispiel Maria, die bei der Handführung unterstützt wird, um auf einer anschaulichen Wochendarstellung auf den richtigen Tag zeigen zu können. Dennis kann mit Hilfe seiner Schulbegleiterin den Talker bedienen und wird immer wieder dazu angeregt, aufmerksam zu bleiben. „Durch Schulbegleitung können die beiden wirklich dabei sein und sinnhafte Beiträge einbringen“, sagt Claudia Meister 
 „Wir haben Kinder mit ganz unterschiedlichen Beeinträchtigungen und manche haben einen sehr hohen Förderbedarf, zurzeit sind es 25“, betont Lea Reindl. Die Sozialpädagogin koordiniert und organisiert den Pool von insgesamt 34 Schulbegleiterinnen und -Schulbegleitern. Je nach Beeinträchtigung beziehe sich die Unterstützung auf Pflegerisches und Körperliches, auf emotionale und soziale Bedürfnisse.
Die Georg-Zahn-Schule ist mit ihrem Schulbegleitungs-Pool Modellprojekt in Bayern und Lea Reindl vermittelt die Lebenshilfe-Schulbegleiter/innen auch an Regelschulen. Zum Beispiel an die Grundschule Bubenreuth.  

Die Regnitz-Werkstätten sind geöffnet

Die Mitarbeitenden dürfen wieder in die Werkstatt kommen. Foto: Harald Sippel

Das Betretungsverbot für die Werk- und Förderstätten ist aufgehoben. So sind der Arbeitsbereich, der Berufsbildungsbereich (BBB) sowie die Förderstätte geöffnet. Nach wie vor müssen strenge Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Für die Werk- und Förderstätten gelten wieder die Regelungen aus der Allgemeinverfügung vom 30. November 2020.